Katzenpsychologie - Verhaltensberatung und Verhaltenstherapie

Haltungsberatung - Mobile Katzenbetreuung

2019-07-18

Dana - Tagebuch einer Angstkatze, Teil 2

2018-05-03 15.07.02.jpg23.12.18

Weihnachtsvorbereitungen – nicht für mich. Bei mir heißt die Devise: Umzugsvorbereitungen! Die Zeit vergeht wie im Flug, noch 6 Wochen und so viel zu tun!

Schrittweise fange ich an zu packen und versuche, die Kartons so zu verstauen, dass Dana trotz allem relativ entspannt bleibt – für ihre Verhältnisse. Leider habe ich mich mittlerweile daran gewöhnt, dass meine Couch, mein Bett und die Unterseite des Kratzbaums mit Inkontinenzunterlagen und Welpentrainingsunterlagen abgedeckt sind. Die Katzentoiletten stehen noch pro forma – es könnte ja sein, dass sie doch mal eine benutzt.

So geht Weihnachten vorüber und es naht der Tag, an dem ich entdecken sollte, wie viel Angst in dem kleinen, zarten Seelchen steckt – Silvester!

31.12.18

Ein Abend, den ich in den letzten Jahren meistens alleine zu Hause verbringe – ohne Probleme, hatte ich doch immer meine Miezen um mich. Auch dieser Silvesterabend begann ruhig und gemütlich, abgesehen von einigen uneinsichtigen Menschen, die schon vor 0 Uhr mit der sinnlosen Knallerei anfangen.

Dana liegt wirklich entspannt hinter mir auf der Wolldecke, rollt sich ab und zu auf den Rücken und streckt sich, um dann wieder sanft zu schlummern, während ich mein Abendessen und „Dinner for one“ genieße.

Sie bleibt ruhig, bis das Feuerwerk um Mitternacht beginnt. Anfangs zögernd, doch dann ziemlich eilig verschwindet sie auf den Kleiderschrank.

Für mich die Möglichkeit – dachte ich – schnell mal nach draußen zu gehen, um zu sehen, ob es ein sehenswertes Feuerwerk gibt (Anmerkung: Ich hätte es mir sparen können und sollen).

Das kurze Öffnen der Tür war wohl zu viel für die kleine Maus. Als ich nur wenige Minuten später zurückkam, war die Kleine verschwunden. Ich fand sie völlig verstört hinter der Waschmaschine. Welche Todesangst muss sie ausgestanden haben! Noch 2 Stunden später irrte sie unruhig durch die Wohnung, in angespannter Körperhaltung, immer in Erwartung eines Schusses! Eine Situation, die mich absolut geprägt hat und die ich in dieser Form nicht noch einmal erleben möchte!

17.01.19

So unruhig das Jahr 2019 begonnen hat, so schnell rauschen die Tage des neuen Jahres an mir vorbei. Es wird ernst, heute kriege ich den Schlüssel für die neue Wohnung. Es geht voran, nicht zu glauben! Ca. 20 gepackte Kisten warten schon auf den Transport. Noch viele werden folgen.

Die Vorbereitung für den Umzug von Dana sind in vollem Gange: Das regelmäßige Transportkorbtraining klappt sehr gut. Die Box steht seit langen immer auf dem selben Platz, allerdings geschlossen. Öffnet sich die Tür lohnt es sich, ganz fix zu sein, um sich die Belohnungen in der Box abzuholen. Doch nicht nur das, ich kann selbst nach dem Training ruhig aufstehen, neue Leckerchen holen und an die Box herantreten, ohne sie zu erschrecken. So schnell lernt die kleine Maus und so viel Vertrauen hat sie!

Kratzbaum Dana (2).jpg26.01.19

Eine Woche vor dem Umzug – Anspannung pur - bei mir. Trotzdem macht Dana das Training wie gewohnt mit. Ich bange, ob alles klappt, fehlen mir doch einige hilfreiche Hände. An diesem Samstag beginne ich mit der Ausstattung ihres Eingewöhnungszimmers.

Der alte Kratzbaum kann leider nicht mit, er ist völlig durch Urin ruiniert. Ich möchte einen Neuanfang mit neuen Kratzmöbeln.

Neuer Kratzbaum, mit zwei Kuschelhöhlen, schön platziert vor dem Fenster, ihre Kuscheldecke auf die Fensterbank, zwei Katzentoiletten, ihr gewohntes Intelligenzspielzeug, ihr Rascheltunnel und eine kleine Katzenhängemulde mit zwei Kratzsäulen. Theoretisch bin ich gut vorbereitet.

Die kommende Woche wird stressig, wahrscheinlich werde ich mein geplantes Pensum nicht schaffen.

31.01.19

Der Tag der Tage! Heute ziehe ich mit Dana schon um, der eigentliche Umzug startet am 02. Februar. Alles ist genau geplant. Ich komme wie immer nach Hause, hole wie gewohnt ihre Lieblingsleckerchen und setze mich vor die Transportbox. Ich öffne die Tür – schwups, sie ist drinnen. Ich clickere und gebe Leckerchen, dann schließe ich ruhig und langsam die Tür. Bis hierhin läuft alles gut.

Ich möchte sie schützen, ihr die Fahrt so angenehm wie möglich machen, das Unbekannte, Erschreckende etwas ausblenden – und habe mir eine leichte Decke, die sie kennt, zurechtgelegt. Ein fataler Fehler – das stellt sich heraus, als ich die Decke langsam von unten über die Box legen möchte. Das Drama nimmt seinen Lauf.

Die Attacke kommt so überraschend, hätte ich die Decke nicht schnellstens fallen lassen, wäre meine Hand jetzt mit Kratzspuren übersät. In ihrer Todesangst zeigt sie ihr komplettes Repertoire: Von Fauchen über Grollen, Spucken, Knurren und wieder Fauchen mit Schlägen, alles ist dabei. Ich kann sie so gut verstehen und mir blutet das Herz, weil ich weiß, es muss sein, ich kann es ihr nicht ersparen.

Die Fahrt verläuft ruhig, ihre Angst ist zu groß. In der Wohnung angekommen, bin ich froh, sie endlich in ihrem Zimmer absetzen zu können. Ich öffne ganz vorsichtig die Tür, auch aus Angst, sie könnte vielleicht noch einmal nach mir schlagen, was sie aber nicht tut.

Ich betrete ihr Zimmer nur noch einmal, um ihr Futter und Wasser zu bringen, dann lasse ich sie in Ruhe.

02.02.19

Ein stressiges Wochenende beginnt. Am ersten Tag hat Dana nichts gefressen, wen wunderts, aber sie faucht nicht mehr, wenn ich zwischendurch das Zimmer betrete, ich rede jedes Mal leise mit ihr und sehe sie nicht direkt an, während ich sie füttere und – die Katzentoiletten leere! Ja ihr lest richtig, sie benutzt brav die beiden Klos. Ich hatte das erwartet, aber nicht immer tritt das Erwartete auch ein, deshalb freut mich das umso mehr.

Ansonsten hat sie seit dem Transport sehr große Angst vor mir.

03.02.19

Es ist geschafft. Noch die alte Wohnung komplett räumen und säubern, dann: „Hallo, neues Leben!“.

Als ich abends noch ein Mal nach Dana schaue, überrascht sie mich und sitzt im Transportkorb. Sofort als sie mich entdeckt, werden die Augen groß, eine Pfote krallt sich um das Gitter – ich drehe mich um und verlasse wortlos das Zimmer.

04.02.19

Die Anspannung fällt langsam von mir ab, eine wohlige Müdigkeit lullt mich ein. Heute wird meine neue Couch geliefert. Dana ist nun den 4. Tag im „Exil“. Ich plane, heute Abend die Tür ihres Zimmers einen Spalt offen zu lassen. Mal sehen, ob sie sich wagt, die Sicherheit zu verlassen.

Was soll ich sagen? Ja, sie hat sich getraut. Während ich hier sitze und diese Zeilen schreibe, sehe ich sie immer mal wieder aus den Augenwinkeln, wie sie durch die Wohnung streift. Ein paar Bereiche halte ich noch geschlossen – nicht zu viel auf einmal und es stehen auch noch so viele Dinge herum, die gefährlich werden könnten. Sie traut sich mehrmals zu mir in die Küche, sieht an mir hoch und realisiert dann, dass das ja das „böse“ Frauchen ist und trabt schnellen Schrittes davon. :-)

Wir haben es Beide bis hierher geschafft, sind noch nicht angekommen, aber auf dem besten Weg. Seid gespannt, wie es weiter geht! Ich bin es auch. :-)

18.02.19

2 Wochen sind wir jetzt hier. Das Umzugschaos lichtet sich langsam, ich erkenne die einzelnen Zimmer. :-) Viel liegt noch herum und täglich steht irgendwas woanders. Nicht einfach für Dana, meine kleine Prinzessin auf der Erbse.

Tagsüber, wenn ich nicht zu Hause bin (ich sehe es daran, dass die Leckerchen verschwunden sind) und nachts geht sie auf Wanderschaft und bei dem schönen Wetter in den letzten Tagen legt sie sich gerne im Wohnzimmer auf ihrem Kratzbrett in die Sonne. Der Versuch, ihr die neue Couch mit Decken gemütlich zu machen, ist für den Moment leider kläglich gescheitert: Zu tief sitzt offenbar die Verknüpfung mit der alten Wohnung und dem Pieseln auf Wolldecken und Inkontinenzunterlagen. Leider hat sie auch hier auf die Couch gepinkelt.

Frauchen war zum Glück gut vorbereitet:

Kennt ihr Christo, den Künstler, der im Sommer 1995 das Berliner Reichstagsgebäude verhüllt hat? So in etwa könnt ihr euch meine Couch vorstellen. Ich habe jetzt ein Kunstwerk im Wohnzimmer stehen – nicht schön, aber selten und vor allem geschützt vor Katzenurin. So sei es denn für die nächsten Wochen, bis sich die Aufregung gelegt hat und nichts mehr oder nur noch wenig in der Wohnung geändert wird, die Zimmer alle zugänglich sind und die Katzentoiletten ihre festen Plätze gefunden haben.

Jetzt aber auch mal das Positive: Sie hatte bisher ein Mal einen Spielanfall, wenn auch nur sehr kurz und sie nimmt ihren Kratzbaum im Wohnzimmer an. Außerdem musste sie mir beim Aufräumen des Schlafzimmers helfen. Immer, wenn es ihr zu viel wird, verschwindet sie in ihrem Zimmer und legt sich in ihre Transportbox, die ihr offenbar doch Sicherheit gibt. Leider benutzt sie die Klos in ihrem Zimmer zur Zeit nicht mehr, aber wir werden sehen …

Danas Meinung: „Also wisst ihr, mein Zimmer ist ja ganz nett, aber Frauchen kommt da immer mal rein und das macht mir noch Angst. Ja – ich hab gemerkt, dass sie nur an mir vorbeigeht, Futter und Wasser hinstellt und immer leise vor sich hin brabbelt – aber komisch ist das schon. Mich treibt aber die Neugierde, deshalb muss ich ab und zu mal gucken, was sie so treibt, aber bloß nicht zu nahe! - Das heißt, für ein Leckerchen wage ich es dann manchmal doch. Es ist alles so neu - riecht alles so anders und fremd - ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll.

Frauchen hat mir eine meiner Decken auf dieses große Ding im Wohnzimmer gelegt. Sie nennt das Couch. In der Sonne wars ja toll, aber da war doch was, ist das nicht ein Klo? Ich erinnere mich, dass ich mich auf den Decken immer erleichtert habe in der alten Wohnung.

Nee? Ist das nicht richtig, Frauchen? Du verlangst aber auch viel…

22.02.19

Meine kleine Prinzessin macht es mir nicht leicht. Nachdem sie die letzten Tage nur noch die Couch als Toilette missbraucht hat, habe ich den Entschluss gefasst, ihr den Zugang zum Wohnzimmer zu verwehren, wenn sich das nicht bessert.

“Frauchen, du weißt genau, dass ich sehr penibel bin, was meine Toiletten angeht. Ist ja toll, das du mir extra feinkörnige Klumpstreu besorgst und immer schön alle Häufchen entfernst. Für dich mag das sauber aussehen, du hast aber nicht mein feines Näschen und ganz ehrlich: Nach 3 Wochen find ich das nicht mehr toll. Was soll ich tun…?”

Ich habs verstanden, kleine Maus. Aktion Katzenstreu beginnt. Leider habe ich ihre gewohnte Streu in der näheren Umgebung nicht gefunden. Was tun? Auf der Suche nach einer Alternative bin ich auf eine weiße Bioklumpstreu gestoßen, die ebenfalls feinkörnig ist und extrem geruchs- und feuchtigkeitsbindend ist. Die einzige Wahl, ansonsten gibt es nur noch feine Streu mit Babypuderduft (toll für die menschliche Nase).

Ein weiteres waghalsiges Experiment: Eine Streu, die nicht klumpt. Oh je – kennt sie sowas? Aber bei Dana ist alles möglich.

Als weitere Maßnahme bleibt sie seit gestern nachts in ihrem Zimmer. Ich habe den Eindruck, dass sie sich dort immer noch am wohlsten fühlt.

Heute Morgen war das Klo mit der neuen(!) Streu benutzt, das alte unberührt. Nachdem die 3. Toilette mit der nicht klumpenden Streu am ersten Tag einfach ignoriert wurde (”Die Couch finde ich einfach besser, Frauchen”), war ich sehr erstaunt, als ich entdeckte, dass sie dieses Klo nun doch benutzt hat und die Couch heute tatsächlich verschont blieb!

So viel zum Thema: Neue Streu immer nur langsam untermischen. Danas Kommentar: “Wir Katzen halten uns eben nicht immer an eure Regeln. Lass dir was einfallen!”

Mal sehen, wie lange sie dieses Spiel mit mir macht. :-)

24.02.19

Ok, ich lasse mir was einfallen. Nach wie vor ist Dana sehr sprunghaft, was die Nutzung der Katzentoiletten angeht. Aktion “Türe schließen im Wohnzimmer” ist vorerst auf Eis gelegt: Funktioniert leider nicht wegen dem Parkettboden – na gut, dann muss das noch etwas warten.

Gestern das erste zaghafte Clickertraining in ihrem Zimmer. Dana lag wie meistens in ihrem Transportkorb. Als ich mich mit Leckerchen und Clicker „bewaffnet“ in einiger Entfernung auf dem Boden niederließ, dauerte es nicht lange und die Neugier siegte.

Weiter so, Dana, in deinem Tempo!

Wie alles begonnen hat, kannst du in Dana - Tagebuch einer Angstkatze, Teil 1 nachlesen.

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